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Hamburger Abendblatt

2. August 2002

HEW-Cyclassics: Hier geht's lang!

Weltcuprennen - 13 500 Jedermänner radwandeln auf den Spuren der Profis und geben dem Event eine besondere Note.

Die HEW-Cyclassics am Sonntag, das sind nicht nur Erik Zabel, Robbie McEwen oder Laurent Jalabert. Das einzige deutsche Weltcuprennen lebt auch von den 13 500 Jedermännern, die auf den Spuren der Weltstars radwandeln.

Wie in jedem Jahr seit der Premiere 1996, als 2521 Hobbyfahrer dem Profi-Peloton vorauseilten, erlebten die Organisatoren von der Hamburger Agentur Upsolut auch in diesem Jahr einen regelrechten Run auf die begehrten Startplätze. "Etwa zehn Minuten nachdem wir den Anmeldeflyer auf unsere Website www.hew-cyclassics.de gestellt hatten, ging die erste Anmeldung ein", sagte Geschäftsführer Frank Bertling. "Und schon Mitte Mai, sechs Wochen vor dem Meldeschluss, war unser freies Kontingent restlos ausverkauft."

Im siebten Jahrgang wuchs das Rennen zu einem der größten Rad-Events weltweit und wird eigentlich nur vom legendären "Argus-Race" übertroffen, das im März dieses Jahres mehr als 40.000 Radler, Profis wie Amateure nach Kapstadt lockte. Doch während im fernen Südafrika nur ein 105-Kilometer-Kurs geboten wird, darf der kurbelwütige Jedermann in Hamburg gleich zwischen drei Distanzen wählen: 55, 115 und 170 Kilometer.

So strömen sie denn in hellen Scharen herbei, um sich selbst einmal wie Zabel & Co. anfeuern zu lassen. Oder zumindest eine Ahnung davon zu bekommen, was die beinharten Profis von Januar bis Dezember für ihre Brötchen leisten müssen. Der Drang zu dieserart Selbsterfahrungstrip ist geschlechtsübergreifend. Im Vorjahr waren von 10 088 Startern 1094 Frauen.

Auch diesmal wagen allerlei Stars und Sternchen den beschwerlichen Ritt über den Asphalt. Tenniscrack Michael Stich fühlt sich ebenso berufen wie Schlagerbardin Jasmin Wagner alias Blümchen. TV-Talker Reinhold Beckmann will sich versuchen und sollte sich dabei vielleicht am Hinterrad von NDR-Intendant Jobst Plog orientieren, der bereits als Cyclassics-gestählt gilt.

Selbst die hohe Politik mag auf eine derartig publikumswirksame Promotion-Tour angesichts der bevorstehenden Wahlen nicht verzichten. So schwingt sich neben Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig auch Bremens Regierungschef Henning Scherf auf den Sattel. Und sie verhelfen dabei nebenbei ihren Bodyguards zu einer kostenlosen Fitnesseinheit.

Bodewig treibt unterdessen auch ein ganz persönliches Anliegen aufs Rad. An der Seite von Sylvia Schenk, der Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer, und Diskus-Olympiasieger Rolf Danneberg kurbelt der Minister für die Aktion "Wir spenden Leben", die auf die Deutsche Knochenmarkspenderdatei für Leukämie aufmerksam macht.

Dass die erfolgreichen Macher der HEW-Cyclassics auch über den Tellerrand hinausschauen, beweist ihr Engagement zur Unterstützung der Rollstuhlbasketballer. Im Februar 2003 findet in Hamburg die EM der Frauen statt. Damit an diesem Championat auch weniger gut betuchte Verbände aus Osteuropa teilnehmen können, wollen Nationalspielerin Heidi Kirste und vier Kolleginnen im Zielbereich im Rahmen der Initiative "Sport hilft Sport" auf der Mönckebergstraße Geld sammeln.

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